FARASAN TELGTE - Gemeinschaft für hedonische Lebensweise
FARASAN TELGTE - Gemeinschaft für hedonische Lebensweise

Lyrik

Lyrische Sequenzen von Arnold Illhardt

Vergebliche Suche

 

Was hab´ ich gesucht

Gewühlt und gegraben

Die Tücher gewendet

Den Staub weggewischt

 

Was hab ich gelesen

Recherchiert und geblättert

Von hinten nach vorne

Und gegen den Strich

 

Was hab ich gedacht

Überlegt und gegrübelt

Mein Hirn durchforstet

Geschaut und gefragt

 

Doch was ich fand

War Leere

Und kein bisschen

Menschenverstand

Hoffnung

 

Wenn alles zerfällt, in Stücke zerbricht,

Leuchtet am Ende ein blassblaues Licht.

Es heißt Hoffnung, und stirbt, bevor sich der Rest zersetzt

...zuletzt.

 

Natürlich ist sie, die Hoffnung, verliebt ins Gelingen;

Liebte sie das Scheitern, so würd´ sie nichts bringen.

Andererseits verlängert sie, aber hätt´man sonst eine Wahl?

…Die menschliche Qual.

 

Glaubt man Nietzsche, so kommt man ins Grübeln,

Ist sie das Übelste von fast allen Übeln.

Sie ist Ohnmacht der Seele, lässt Vernunft vermissen.

…Eben: Defizitäres Wissen.

 

Doch egal wie man´s dreht, so bleibt doch am Ende

zuvorderst der Wunsch nach ´ner glücklichen Wende.

Drum ist Hoffen Gold und Verzweifeln viel schlimmer.

…Da lob ich mir doch

den Hoffnungsschimmer.

Frühling auf dem alten Nordfriedhof München

 

Ein unwirklicher Ort inmitten einer lauten Welt

In Schatten betagter Bäume, ein altes Gräberfeld.

Efeuumrankte Male, verwittert von der Zeit

Und dennoch unübersehbar Leben und Lebendigkeit.

Kinder spielen Fangen im Frühlingssonnenlicht

Sie hörten vom Tod, doch erwägen ihn nicht.

Drei alte Damen durchqueren scherzend den Park

Was sie an diesem Ort wohl so belustigen mag?

Jungen Frauen joggen mit anmut´ger Figur

Zwischen den Gräbern, hier ist ihr Parcours.

Vorbei an Menschen in Büchern versunken

In sich gekehrt und von Ruhe ganz trunken.

Auf einer Decke ein Paar, ganz vertieft in ihr Sein

Unendliche Liebe steht nebenan auf dem Stein.

Ach, machte man doch eine Ausnahme mir

Würd ich bald sterben, so begrabt mich gern hier.

Schaut ich nach oben, so wär es hier eben

Lebendiger als in manch wirklichem Leben.

Es ist Liebe

 

Die Poesie der Addition, Vorahnung einer Sensation

Beginnend mit einem Bild, beinah fragil, unendlich zart

Ein Anfang, Begegnung, Zukunft bald schon offenbart.

 

Die Mathematik des Seins, des Meins und des Deins

Die Summe von Eins und Eins ist mehr als nur Zwei

Differenzen vereinigt, fast schon einerlei.

 

Miteinander, Solidarität statt Rivalität

Immer wieder Neu statt sicheres Alt

Leben im Jetzt, statt immer nur bald.

 

Zeitloser Kommunismus, fast schon Anachronismus

Klarsicht vernebelt, gegen Vernunft resistent

profitlos, unkalkulierbares Element

 

Gesellschaftliche Essenz, mit steter Präsens

Störfaktor im kapitalistischen Getriebe

Wovon ich spreche, ist einfach nur Liebe.

 

 

Abendgebet

 

Habe ich ihn heute schon lobpriesen, DEINEN Namen, oh WACHSTUM?

Bist DU doch die sinnstiftende Instanz unser aller Leben.

Die Macht, die uns Brot gibt und unserem Sein ein irdenes Korsett.

Ohne DICH würden wir in Höhlen hausen,

Zu Fuß gehen und nur Rüben fressen.

Doch DU, gesegnet sei DEIN Antlitz, ermöglichst es uns

In Doppelhaushälften zu wohnen und Großraumwagen zu fahren.

DIR verdanken wir´s, zwischen Farfalle und Cannelonni wählen zu können.

Gegrüßest seist DU, WACHSTUM , unter all den menschlichen Errungenschaften,

Egal, welche Prozentzahl DEINES Fortschreitens die Ökonomen errechnen.

Was zählt ist, dass es stetig vorangeht,

Größer, Weiter, mehr, das ist die Devise.

Stillstand bedeutet Tod.

Wer DICH bekämpft, liebt den Menschen nicht.

DEIN Reich komme, wie im Himmel, so vor allem auf Erden.

Gebenedeit sei DEIN Name für alle Zeit.

Wir knien vor DIR nieder, oh DU goldenes Kalb,

Machen gerne uns DIR zum Untertan.

Denn DEIN Geleit auf allen unseren Wegen

Ist uns des Glückes Unterpfand.

DEIN verlässliches Gesetz des Mehr, der Grenzenlosigkeit,

zeigt uns stets Ziel und Richtung an.

 

Doch seit ein paar Tagen komm´n mir Zweifel

Mein Rücken zwingt mich stillzustehn.

Ich nehm die rosa Brille von den Augen

Um DICH, WACHSTUM, anzusehn.

Und da wird mir klar, ich bin DIR auf den Leim gegangen

Und noch was, sehe ich nun klar,

Dass auch des Menschen Dummheit oder vielmehr: Blindheit

Ohne Ende ist.

Liebessturm

 

Die Liebe, blinzelt trunken, verschmitzt

Aus zerwühlten Kissen, noch leicht erhitzt

Kam sie doch nächtens daher

Wie ein Gewitter am Meer.

 

Ich küsse deine Schulter, so warm, so weich

Federleicht und sinnenreich,

Der nicht enden wollende Moment streift sanft mein Gesicht

Wie ein Säuseln, zaghaft im Morgenlicht.

 

Weißt du noch, wir suchten die Liebe, ersehnten sie an Horizonten, viel zu fern.

Doch anstatt sie zu finden, fand sie uns und ich glaub, sie tat´s gern.

Und nun liegt sie da, selig lächelnd zwischen dir und mir

Allgegenwärtig und lebendig im Hier.

 

Die Zukunft verwandelt in jetzige Zeit

Illusionen verzaubert in Wirklichkeit.

Ich kann’s manchmal nicht glauben, so gewaltig, so nah

Utopie und Sehnsucht, was gestern war.

Nachts am Fluss

 

Wenn es Nacht wird und im Park gegenüber die Laternen aufglimmen

 

Wenn die letzten harten Jungs ihren Platz der runtergelassenen Scheiben mit durchdrehenden Reifen verlassen

 

Wenn die Kneipe um die Ecke die letzten lallenden Gäste ausspuckt

 

Wenn die Fledermäuse lautlos ihre Bahnen über unseren Köpfen ziehen und du dich immer fürchtest, sie verhedderten sich in deinem Haar

 

Wenn im Uferdickicht die Ratten emsig werden und sich die Fische an der Wasseroberfläche was glucksen, dann ist er da, der Moment der Momente.

 

Eine Zeit, voller Stille und Tiefe, eine Zeit, in der unsere Köpfe leuchten, Gedanken, die durch ihre Farben das Dunkle zum Singen bringen.

 

Während manche Ideen unter dem Haselnuss noch reifen, explodieren andere über der schlafenden Welt.

 

Giftgetränktes Umsturzsinniertes kriecht den Bösen unter die Decke, während sich die Guten vom Läuten der Freiheitsglocken traumtrunken die Augen reiben.

 

Komm, Liebchen, gieß noch mal zu, heut ist die Nacht der Nächte, heut schaffen wir den Morgen danach.

  

Manchmal möcht ich...

 

(..neulich nach der Lektüre der Tageszeitung gedichtet)

 

Manchmal möcht ich brüllen, zündeln,

Revolutionäre Kräfte bündeln.

Möchte Leute an den Kragen packen,

Schütteln, bis die Knochen knacken.

Manchmal könnt ich wüten, stechen,

Eine Lanze für die Armen brechen.

Möchte schreiend um mich schlagen,

Ganz spontan den Aufstand wagen.

Manchmal möcht ich Bomben legen,

An dem Thron der Mächt´gen sägen.

Möchte kämpfen für die Sache,

Teils aus Wut und teils aus Rache.

Manchmal möcht ich kratzen, beißen,

demolieren, niederreißen.

Möchte kämpfen, Zähne zeigen,

Und den Reichen mal was geigen.

Manchmal möcht ich,

Doch dann denk ich.

Manchmal will ich,

Doch dann klärt´s sich.

Ich glaub, deswegen schreib ich.

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