FARASAN TELGTE - Gemeinschaft für hedonische Lebensweise
FARASAN TELGTE - Gemeinschaft für hedonische Lebensweise

in reminiszenz

Wir haben keine Vorbilder, wohl aber Beispiele experimenteller Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens, an die wir uns gerne anlehnen:

Monte Veritas

Wer schon einmal auf dem „Wahrheitsberg“ oberhalb des Lago Maggiore im Westen von Ascona war, wird bei etwas klarem Verstand möglicherweise noch ein wenig von der Faszination dieser lebensreformerischen Künstlerkolonie eingefangen haben. Namhafte Künstler, Schriftsteller, Anarchisten und andere Personen des öffentlichen Lebens wie z.B. Erich Mühsam, Hans Arp, Herrmann Hesse, Ernst Bloch… versuchten hier neue Formen menschlichen Zusammenlebens zu gestalten, wie da wären: Pazifismus, Vegetarismus, Freikörperkultur, Anarchismus, Anthroposophie, östliche Weisheiten usw. Schon zu dieser Zeit gab es eben Menschen, die genug hatten von einer als patriarchal und militaristisch wahrgenommenen Gesellschaft. Leider blieb das Projekt Monte Verita eine Sozialutopie. Kritiker erfreuen sich vor allem an der Tatsache, dass bei allem guten Willen auch hier ein echter Anarchismus nie möglich wurde, da es einige der Bewohner u.a. mit dem Ausleben ihrer ganz persönlichen Bedürfnisse zu wörtlich nahmen oder versuchten, aus ihrer politischen oder religiösen Ansicht ein allgemeingültiges Dogma zu machen. Dennoch übt dieser Ansatz eine große Wirkung auf uns aus. Vor allem der Versuch des Zusammenlebens, – denkens und -schaffens ist Grundstein auch unserer Idee vom öffentlichen Leben.

Emma Goldman

(Marion Illhardt)

Denn die einzig wirklichen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt danach sind zu leben, verrückt danach zu sprechen, verrückt danach, erlöst zu werden, und nach allem gleichzeitig gieren – jene, die niemals gähnen oder etwas Alltägliches sagen, sondern brennen, brennen, brennen wie phantastische gelbe Wunderkerzen.“ (Jack Kerouac)

 

Dieser Spruch ist wie gemacht für Emma Goldman, diese kämpferische, kompromisslose und unabhängige Frau. Geboren 1886 in Russland, emigrierte sie mit 17 Jahren in die USA und wurde hier zur verehrten, aber auch gefürchteten Vorkämpferin des Anarchismus. Durch die grausamen Ereignisse von Haymarket (Streik gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen) beeinflusst, verschrieb sie sich dem lebenslangen Kampf gegen Ausbeutung, aber auch Krieg und Wehrpflicht. Sie trat ein für die Geburtenkontrolle und die Rechte der Arbeiter. Je mehr Widerstand Emma Goldman erfuhr umso größer war ihr innerer Zwang, gegen soziale Ungerechtigkeit und moralischer Vorurteile zu kämpfen. Ihre einzige Waffe dabei war ihre ungeheure verbale Fähigkeit, die Massen mitzureißen und zu überzeugen.

Der Anarchismus war für Emma Goldman „…nicht bloß eine Theorie für eine ferne Zukunft, er war ein lebendiger Versuch, uns von inneren wie äußeren Verboten und den zerstörerischen Schranken zu befreien, die die Menschen voreinander trennen.“ (aus: „Gelebtes Leben“ von E. Goldman)

Das anarchistische Ideal der Freien Liebe war eines der verkanntesten Ziele der Emma Goldman. Spießer und puritanische Vertreterinnen des damaligen Amerikas sahen in diesem Modell einen abscheulichen Angriff auf die Moral zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zügelloser Sex, Gier, Schamlosigkeit und Unzucht spukte in den Köpfen dieser sittenstrengen Gesellschaft. Emma Goldmans tatsächlicher Wunsch, die Erniedrigung und Unterdrückung in der Ehe in ein gleichberechtigtes, verantwortungsvolles und gefühlsbetontes Miteinander zu wandeln und sich auf eine bewusste Mutterschaft einzulassen, brachten ihr heftige Kritik und Ablehnung ein.

Die Liebe ist eine Verräterin aller Gesetze, aller Vorschriften (…). Wenn die Welt jemals Gleichheit und Einigkeit hervorbringen wird, wird es nicht mehr die Ehe, sondern nur noch Liebe geben!“ (aus „Anarchie“ von H. Stowasser)

Ihr lebenslanger Kampf endete im Mai 1940 in Toronto. Am 17. Mai wurde sie auf dem Chicagoer Waldheim-Friedhof in der Nähe der Haymarket-Märtyrer beerdigt. 

Die Bloomsbury Group

                                                                                                   (Marion Illhardt)

Die Bloomsbury Group war eine Verbindung von Künstlern, Schriftstellern, Philosophen,Intellektuellen und Wissenschaftlern, die sich zu Beginn ihrer Gemeinschaft im Londoner Stadtteil Bloomsbury trafen. Sie existierte von 1905 bis zum Zweiten Weltkrieg und war bekannt für ihren Einfluss auf die kulturelle Modernisierung im damaligen prüden England. Sie bildete sich aus Verwandten und Bekannten und waren größtenteils Absolventen der Universität Cambridge. Es entstand eine Interessengemeinschaft, die neben ihren Diskussionen, Ausstellungen und Veranstaltungen auch bekannt war, für ihre offene Sexualität verschiedener Orientierungen.

 

Später zog die Gruppe in das von Vanessa Bell und ihrem Geliebten Duncan Grant gepachtete Charleston Farmhouse in Sussex, das von ihren Bewohnern liebevoll gestaltet wurde (Besuch 2010). Zu den bekanntesten Mitgliedern gehörten Vanessa Bell und ihre Schwester Virginia Woolf, Roger Fry, John Maynard Keynes, Vita Sackville-West und Harold Nicolson.

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